Die Kraft des ganzen Baumes nutzen

Essenzen aus Blättern, Knospen, Blüten, Zweigen und Früchten der Bäume

Seit urdenklichen Zeiten faszinieren Bäume die Menschen. Sie wurden als Zeichen des Lebens angesehen und verehrt. Mit ihren Jahresringen wurden sie zum Zeichen des Werdens, Wachsens und Vergehens des Lebens. Für viele galten sie als heilig und Sitz der Götter, wie die Donar-Eiche oder die heilige Esche.

Unter den Eichen von Mamre empfing Abraham Gott selbst als Gast und machte dort seine Gotteserfahrung. Bäume berühren Leib und Seele. Viele Menschen vertrauen, dass Bäume tiefe Erfahrungen und Einsichten ihres Lebens schenken. Sie vermitteln Geborgenheit und Sicherheit, vielleicht auch deshalb, weil unsere Vorfahren in Bäumen gelebt und dort Schutz gefunden hatten, lange bevor sie auf der Erde in Höhlen und schließlich in Häusern wohnten. Jeder, der einmal durch einen Wald gegangen ist, weiß, wie kraftspendend und beruhigend dies sein kann.

Es ist nicht nur die physiologische Wirkung des Sauer­stoffs, die uns belebt, sondern auch, dass wir durch die Begegnung mit Bäumen das Mysterium des Waldes erfahren können. Heute weiß man, dass Bäume vor allem unter der Erde, über Wurzeln und Pilze miteinander in Beziehung stehen und ein soziales Leben führen. Sie vermitteln nicht nur Bodenständigkeit, sondern sind wahre Himmelsstürmer, die eine Verbindung zwischen Immanenz und Transzendenz herstellen.

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Bei der Herstellung der Baumessenzen ließen wir uns von den Erfahrungen und Überlieferungen der Kloster­heilkunde und den mündlichen Überlieferungen traditioneller Pflanzenkundiger inspirieren.

Die Erkenntnisse über Knospen von Pol Henry beschäftigten uns ebenfalls. Es ist erstaunlich, dass bereits in der Knospe der ganze Baum angelegt ist – die Blätter, die er tragen wird, die Blüten, welche Bienen und andere Bestäuber anlocken, und schließlich die Frucht.

Das kann auch bei der Herstellung der Essenzen beobachtet werden: Bereits nach wenigen Tagen entfalten zum Beispiel die Knospen des Apfel- oder Vogelbeerbaumes in der Essenz einen wunderbaren Duft der Früchte, die erst Monate später am Baum reifen würden.Der alte aristotelische Satz „das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ kommt der Sichtweise und Erfahrung des Europaklosters nahe:

Ein Baum entfaltet als „Ganzes“ seine Eigenschaften auf uns, nicht nur in seinen einzelnen Teilen.

Während sich der Baum über das Jahr entwickelt und Knospen, Blüten, Blätter, Früchte, Holz und Wurzeln ausbildet, werden die dabei entstehenden Pflanzenteile geerntet und in den Baum-Essenzen zusammengeführt. So entwickeln sich auch die Essenzen während des Jahres und versammeln die Kraft des ganzen Baumes in sich.

Wer eine Baum-Essenz in Händen hält und anwendet, vermag vielleicht zu ahnen, dass sich Geist und Kraft in dieser versammelt haben.

Pater Johannes Pausch, Prior des Europaklosters Gut Aich
August 2017